#140 - 3 Lektionen aus 100 Jahren Mittelstand, die jeder Entscheider kennen sollte

Ein 100-jähriges Familienunternehmen aus dem Großhandel führt KI ein, baut fahrerlose Transportsysteme auf und lebt eine Fehlerkultur, die viele Konzerne beschämt. Philipp Ehlert, Geschäftsführer der Gustav Ehlert GmbH & Co. KG, spricht im insights!-Podcast über Digitalisierung ohne Buzzwords, Change Management auf Augenhöhe und warum Sicherheit im Business eine Illusion ist und das eine befreiende Erkenntnis sein kann.

Bei ganz vielen Unternehmen ist das Starten schon die erste Hürde. Ich muss meinen Vorgesetzten abholen, der muss seinen Vorgesetzten abholen. Je größer das Unternehmen, desto länger die Entscheidungskette – und dann wird so viel theoretisiert, was alles nicht geht, dass am Ende das Starten gar nicht mehr stattfindet. Weil es wird ja eh nichts. Und das ist das Bescheuertste, was man machen kann.

Philipp Ehlert CEO Gustav Ehlert GmbH & Co. KG

100 Jahre alt und trotzdem der Mutigste im Raum!

Manchmal braucht es kein Startup aus dem Silicon Valley, um zu verstehen, wie Digitalisierung wirklich funktioniert. Es reicht ein 100 Jahre altes Familienunternehmen aus Ostwestfalen, das Messer, Därme und Gewürze für die Lebensmittelindustrie verkauft. Philipp Ehlert, Geschäftsführer der Gustav Ehlert GmbH & Co. KG in vierter Generation, war zu Gast bei insights! und hat ein aufschlussreiches Gespräche geliefert.

Die Gustav Ehlert GmbH & Co. KG ist Fachgroßhändler für Nahrungsmittelproduktionsbedarf: alles, was Lebensmittelproduzenten brauchen, außer dem Rohstoff selbst. 

KI liest, was Menschen nicht mehr lesen wollen

Der Ausgangspunkt klingt vertraut: Ein Großteil der Bestellungen kommt per E-Mail. Klingt banal, ist es aber nicht, wenn man weiß, was dranhängt. Handschriftliche Zettel, eingescannte Formulare, eingebettete Bilder, Dokumente mit halb unleserlichen Artikelnummern. Menschen saßen stundenlang vor dem Bildschirm und haben Daten abgetippt. Doppelte Datenerfassung. Zeitverschwendung. Fehlerquelle.

Philipps Lösung ist ein KI-Projekt, das diese Dokumente automatisch ausliest, interpretiert und in Bestelldaten umwandelt. Plug-and-Play? Nein. Aber möglich. Und genau das ist der Punkt: KI ist kein Selbstläufer, aber sie nimmt Menschen stupide Arbeit ab und gibt ihnen Zeit für das, was wirklich zählt: Kundengespräche, Produktberatung, proaktive Kommunikation. Denn das ist es, was Philipp will. Er will Mitarbeitende, die mit Kunden sprechen, Lösungen entwickeln und Beziehungen aufbauen und nicht Zahlen abtippen.

Robotik im Lager: Von der Idee zur Realität

Parallel zur KI-Einführung rollt Gustav Ehlert eine zweite Welle der Automatisierung aus. Das Hochregallager läuft bereits automatisiert. Mitte des Jahres folgen fahrerlose Transportsysteme – Roboter, die Paletten selbstständig durch das Lager fahren. Und auf der mittelfristigen Roadmap stehen Cobots: Roboter, die ohne Schutzzaun direkt neben Menschen arbeiten, etwa in der Gewürzproduktion.

Was das in der Praxis bedeutet, beschreibt Philipp nüchtern und ohne Überhöhung:

  • Automatisierung ist kein Selbstzweck. Sie ist Konsequenz aus jahrzehntelangem Kostendruck
  • Jede neue Technologie wird am konkreten Use Case getestet: Bringt es uns wirklich etwas?
  • Entscheidungen fallen schnell und können genauso schnell revidiert werden

Das mag nach Pragmatismus klingen. Ist es auch. Aber genau dieser Pragmatismus ist es, der das Unternehmen seit 100 Jahren am Laufen hält.

Change Management: Was Führung wirklich bedeutet

Einer der stärksten Momente im Gespräch kommt, als Philipp über seine Rolle als Führungskraft spricht. In den letzten anderthalb Jahren war er nicht einen einzigen Tag, an dem er nicht mindestens eine Stunde im Lager war und zwar um zu erklären, zu überzeugen, mitzunehmen. Seine Analyse der Mitarbeitenden ist ehrlich und ungefärbt: Es gibt Early Adopter, die Veränderung lieben. Es gibt eine schweigende Mehrheit, die abwartet und Orientierung braucht. Und dann gibt es die, die schlicht nicht wollen. Philipps Fazit dazu ist klar, aber nicht kalt:   "Das ist kein Können und kein Dürfen. Es ist ein Wollen-Thema. Und wer nicht mitgeht, muss für sich einen anderen Weg finden. Ich zwinge niemanden. Aber die Rahmenbedingungen setzen wir als Geschäftsführung. Damit wir auch die nächsten 100 Jahre existieren."

Sicherheit ist eine Illusion und das ist gut so

Das vielleicht stärkste Statement der Folge kommt fast beiläufig. Es geht um die Frage, wie man im unsicheren Geschäftsumfeld dennoch Entscheidungen trifft. Philipp dreht die Logik um: Wir alle leben in unsicheren Zeiten – politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Und trotzdem fordern viele im Business hundertprozentige Sicherheit, bevor sie irgendetwas ausprobieren. Sein Argument ist bestechend einfach: Die einzige echte Sicherheit entsteht durch Erfahrung. Durch Tun, Scheitern, Lernen. Wer immer nur analysiert, was schiefgehen kann, gewinnt niemals Souveränität. Er bleibt paralysiert. Diese Haltung zeigt sich auch in der Zusammenarbeit mit synaigy: Verträge, die Flexibilität ermöglichen. Pilotprojekte statt Jahresverträge. Ausprobieren statt Absichern. Und wenn etwas nicht funktioniert? Stopp, Kurswechsel, weiter.

Innovationsteam & Fehlerkultur: Die Infrastruktur fürs Scheitern

Philipp hat im Unternehmen ein sogenanntes Innovationsteam aufgebaut, nämlich ein monatliches Meeting mit jungen Mitarbeitenden. Themen werden gesammelt, Lösungen vorgeschlagen, Aufgaben vergeben. Kein Wasserfall-Prozess. Kein Komitee. Sondern: Idee einreichen, Lösung ausarbeiten, präsentieren, umsetzen.

Was das möglich macht, ist eine Fehlerkultur, die diesen Namen verdient. Fehler haben bei Gustav Ehlert Konsequenzen, aber nicht die, die man fürchtet. Die Konsequenz ist nicht Sanktion, sondern Lernen. Auch der Chef macht Fehler. Das ist keine PR-Aussage, sondern gelebte Realität. Und genau das nimmt die Lähmung, die viele Unternehmen trifft, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren.

Was du dir mitnehmen kannst

Das Gespräch mit Philipp Ehlert ist kein Best-Practice-Vortrag. Es ist ein ehrlicher Blick in ein Unternehmen, das über Jahrzehnte gelernt hat, was es bedeutet, unter Druck zu innovieren. Drei Dinge stechen dabei besonders heraus:

  • KI braucht keinen perfekten Use Case, sondern einen echten. Automatisierte Auftragsverarbeitung klingt nicht glamourös, spart aber Stunden täglich.
  • Change Management ist Kontaktsport. Wer Veränderung führt, muss präsent sein.
  • Sicherheit kommt durch Tun. Nicht durch Analyse, nicht durch Absicherung, nicht durch das perfekte Konzept. Sondern durch das erste, mutige Schritt.

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Hier ist der Inhalt:

Joubin Rahimi

Grandios, dass ihr wieder dabei seid zur insights! Mein Name ist Joubin Rahimi und heute mit dabei, nicht nur zum ersten Mal, sondern zum dritten Mal sprechen wir miteinander Philipp Ehlert von Gustav Ehlert. Hi Philipp.

 

Philipp Ehlert

Moin Joubin.

 

Joubin Rahimi

Du bist ja schon quasi Stammgast, magst du aber trotzdem zwei, drei Sätze zu dir sagen für diejenigen, die dich vielleicht noch nicht hier gesehen haben?

 

Philipp Ehlert

Okay, mein Name ist Philipp Ehlert, ich bin 46 Jahre alt, Familienvater, habe einen Sohn und leite unser Familienunternehmen kann ich ja mittlerweile schon fast sagen, die Gustav Ehlert GmbH Co. KG, jetzt in vierter Generation. Wir sind vor zwei Jahren 100 geworden und wir sind ein Fachgroßhandel für Nahrungsmittelproduktionsbedarf, also alles, was man braucht, um Lebensmittel herzustellen, außer dem Rohstoff, ganz grob umschritten.

 

Joubin Rahimi

Insofern alle von uns haben mal was von euch gegessen oder mitgenommen oder sind mit Messern in Berührung gekommen.

 

Philipp Ehlert

Ich würde noch nicht, also gegessen, was unsere Kunden herstellen, das mit Sicherheit ziemlich egal wo, also ob das im Supermarkt, also LEH ist, ob das in der Gastronomie ist, aber alles was man da so bekommt, sind eigentlich Produkte, die unsere Kunden wiederum mit unseren Produkten herstellen.

 

Joubin Rahimi

Insofern für jeden was dabei und für heute sollte auch was dabei sein und wir haben überlegt über übermorgen zu reden. Wir dürfen mit euch einiges Spannendes machen, aber darauf will ich gar nicht fokussieren, sondern du sagst immer, es geht dir nicht schnell genug mit den Sachen. Man kann auch viel, viel mehr machen und ich spiegel dir wieder, ihr macht als Firma schon echt eine Menge mehr als andere Firmen, die wir so kennen und deswegen übermorgen ist aber ein ganz tolles Thema, was man nicht heute, sondern übermorgen macht. AI, wir sind hier auf dem ECC Forum. AI ist ein großes Thema. Robotik wird auch noch genannt hier. Wo siehst du die Sachen, wo du sagst, da bereitest du dich und die Firma auf übermorgen vor?

 

Philipp Ehlert

Ich glaube, das Themenfeld zwischen AI und Robotik ist ja schon aufgespannt. Das machen wir auch. Kurzer Satz, wir versuchen das, sagen wir so, in den Bereichen, wo wir AI einsetzen, sind wir jetzt dabei. Die Auftragsbearbeitung, also wir sind ja ein klassischer Großhandel und ein Großteil unserer Aufträge kommt immer noch irgendwie postalisch rein, also

 

Joubin Rahimi

E Mail, nicht per Post oder

 

Philipp Ehlert

Ja, ist ja dasselbe. Also was ich jetzt bekomme für ein Bild Dokument, ist ja eigentlich ziemlich egal, ob das. Wir haben auch tatsächlich einmal im Jahr immer noch reale Post. Unabhängig davon, wir kriegen halt E-Mails und da sind irgendwelche Dokumente dran und die müssen wir verarbeiten zu Bestellungen. Das wäre halb so wild, wenn das irgendwie alles immer eine Vorlage wäre, die benutzt wird. Aber du hast halt Qualitäten von bis, du hast eingebettete Texte, du hast nur Bilder, egal was da kommt handschriftlich eingeblendet gescannte Zettel und da machen wir jetzt halt ein Projekt, wo wir sagen, okay, wir nehmen mal eine KI, lassen die drüber laufen und gucken mal, kriegen wir das ausgelesen. Dann musst du halt gucken, fehlerfrei schreibt der Kunde eine vernünftige Artikelnummer drauf, eine vernünftige Bezeichnung, wenn nein, wie kommst du an die Daten ran und so weiter und so fort. Ich weiß, da gibt es auch Anbieter auf dem Markt, die das schon tun, aber das sind natürlich auch alles immer so Sachen, du musst die ja auch trotzdem auf deine Daten, respektive die Daten, die deine Kunden dir dann in dem Fall zuliefern, immer noch anpassen. Also das Plug and Play KI kann, das gibt es ja noch nicht so wirklich einfach um eben bei uns dann intern dafür zu sorgen, dass Menschen nicht mehr einfach am Telefon oder vom Papier, also in dem Fall vom Bildschirm, Dinge abtippen müssen, also eine doppelte Datenerfassung machen müssen und Zeit mit einer stupiden Arbeit verbringen, sondern für unsere Kunden zur Verfügung stellen, wenn die wirklich ein Thema haben. Ich möchte ja Fragen beantworten, ich möchte eine Produktberatung intensivieren, ich möchte sagen, OK, aktuelle Situation gerade zum Beispiel, wir haben die und die Rahmenbedingungen wirtschaftlich, das heißt die und die Lieferzeiten verlängern sich oder wie auch immer. Also ich möchte proaktiv mit den Kunden kommunizieren und die Beziehung aufbauen, weil das können Menschen halt einfach besser. Ja, oder überhaupt, also na stimmt ja gar nicht, stimmt ja gar nicht, Auch Bots können ja super Beziehungen aufbauen, leider mittlerweile. Aber unabhängig davon ist das ein Fund, womit der Mensch halt immer noch wuchern kann oder einen kreativen Lösungsansatz zu erarbeiten, weil einfach Dinge datentechnisch nicht zusammenpassen und man einfach mal eine komplett kranke Assoziationskette braucht, um auf eine Lösung zu kommen. Das möchte ich, dass meine Mitarbeitenden das tun und deswegen möchte ich sie von den anderen Aufgaben entlasten. Das ist ein Projekt, das wir jetzt ganz aktuell machen. Dann machen wir so was Robotik zum Beispiel fangen wir jetzt Mitte diesen Jahres an mit fahrerlosen Transportsystemen bei uns im Lager. Wir haben ja das letzte Jahr Automatisierung gemacht, also Einlagerung, Hochregallager, Auslagerung läuft quasi automatisch automatisiert und gehen jetzt hin und sagen, okay, den Transport quasi von der Warenabgabe volle Palette hin ins Regal zum Nachfüllen oder auf den Platz, wo es verwendet wird, den machen wir jetzt quasi mit Robotik. Und da gibt es natürlich noch ganz viele andere Ideen, die man machen kann. Wir gucken uns regelmäßig auch Dinge an, zum Beispiel Cobots, also Roboter, die man einsetzen kann als wirklichen Mitarbeiter. Genau, die nebenbei mitlaufen, weil die halt von der Sicherheitseinstellung keinen Zaun brauchen. Das sind keine riesen wuchtigen Maschinen. Wo kann man die zum Beispiel bei uns in der Gewürzproduktion einsetzen und solche Themen. Und so guckt man halt immer, wo kann ich einen Trend aufgreifen, was ist gerade cool, versuchen schnell was umzusetzen, um es so auszuprobieren, passt das für uns, passt das in unsere Prozesse? und in unser Unternehmen kann uns das einen Mehrwert bieten auf lange Sicht? Und dann ist es eben nicht nur, rechnet sich das, sondern was kann ich vielleicht stattdessen für Stärken entwickeln oder Ressourcen anders einsetzen. Oder auch zu sagen, Digga, war eine gute Idee, ist aber für den Quark, lass mal bleiben, wir konzentrieren uns jetzt auf was Neues.

 

Joubin Rahimi

Ist es denn bei euch in der Branche so, dass du sagst, ihr habt auch einen Preiskampf, weil dann die LEH und Gastro dann drauf kommen und sagen, Qualität ist zweitrangig, aber ich brauche jetzt einfach mal 20 Prozent, keine Ahnung, 2 Prozent, 0,2 günstigeren Preis.

 

Philipp Ehlert

Wir haben immer einen Preiskampf, haben wir aber schon seit, ich will nicht direkt sagen seit der Unternehmensgründung, aber spätestens mit dem Aufkommen vom Lebensmitteleinzelhandel haben ja unsere Kunden einen Preisdruck, weil der günstigste kriegt den Zuschlag und dadurch haben wir natürlich auch den Preisdruck, weil wir liefern ja quasi die C Artikel zur Lebensmittelproduktion und die dürfen einfach keinen riesen Kostenbeitrag an dem Endprodukt haben, dürfen sie einfach nicht. Punkt. Und wir waren deswegen immer schon dahin getrieben, dass wir möglichst effizient unsere Prozesse umsetzen, weil wir uns das gar nicht leisten können.

 

Joubin Rahimi

Du bist eigentlich im Spagat zwischen du musst total effizient sein, aber auch gleichzeitig einen super Kundenservice und Produkte liefern zu können. Genau, das ist der Spagat, den ihr seit über 100 Jahren fahrt.

 

Philipp Ehlert

Genauso, das ist ganz gut zusammengefasst.

 

Joubin Rahimi

Also erstmal ist Wahnsinn und das Unternehmen über 100 Jahre alt. Es gibt gar nicht so viele. Ich glaube, der Durchschnitt ist bei 50 oder 55 Jahren.

 

Philipp Ehlert

Das kann sein.

 

Joubin Rahimi

Eine großartige Leistung, auch über die Generation hinweg. Also muss man auch einfach mal so sagen, dass es toll ist. Großartig.

 

Philipp Ehlert

Was witzig ist, ich krieg ja immer hier aus der IHK Ostwestfalen, so einmal im Monat gibt es so eine Zeitung, ich weiß gar nicht, ob Wirtschaft, OWL oder so heißt die und da stehen immer Firmenjubiläen drin und seit wir 100 sind, gucke ich immer wer ist denn älter? Und erstaunlicherweise gibt es in jeder Ausgabe immer Unternehmen so 125 130, wo ich denke, da müssen wir auch noch hinkommen.

 

Joubin Rahimi

Ja, aber die überholt ihr nicht mehr.

 

Philipp Ehlert

Naja, überholt. Ne, das nicht, aber so als Marke Wegmarke, nicht als Markemarke.

 

Joubin Rahimi

Und in diesen Jahrzehnten habt ihr euch ja auch immer wieder verändert und es ist ja auch die die Mitarbeiter verändern sich ja oder sollten sich ja auch verändern in dem Sinne. Wie macht ihr das? Weil hast ja vieles angesprochen. Auf einmal fährt jemand Lagerist, fährt nicht mehr die Paletten rum, sondern soll andere Aufgaben machen. Kann er das überhaupt oder will er das? Ich weiß gar nicht. Vielleicht sagt er: Ja geil, ich habe keinen Bock mehr auf Paletten oder sagt eigentlich ist Paletten schieben ganz toll.

 

Philipp Ehlert

Ne, das haben wir jetzt schon bei dem ersten Step mit dem Hochregallager gemerkt. Es gibt den Teil an Mitarbeitenden, die sagen, das ist geil, das ist schön, ich beschäftige mich damit und ich unterstütze alle dabei, um das umzusetzen und um das erfolgreich zu machen. Also glaube ich, Early Adopter kann man das nennen, wie auch immer man das theoretisch aufmachen will. Und dann gibt es halt so einen ganzen Block träge Maße, jetzt nicht im negativen Sinn, aber die sind halt einfach die wissen nicht genau, ist das gut für mich, was da kommt? Wird das gegen mich verwendet? Mache ich irgendwas kaputt? Also verschiedenartige Gründe, warum man das nicht so begeistert annimmt. Die kann man aber abholen, indem man ihnen den Mehrwert einfach deutlich macht und das ist tägliches Doing. Also es gab in den letzten anderthalb Jahren, seit dieses Projekt jetzt quasi wirklich ans Leben gekommen ist, nicht einen Tag, wo ich nicht mindestens eine Stunde, zwei, manchmal auch den ganzen Tag im Lager rumgelaufen bin oder auf der Baustelle, um eben genau das zu tun. Nicht nur zu gucken, wird das ordentlich, sondern auch Leute abzuholen, denen das zu erklären. Und dann gibt es die, die sagen, ne, will ich nicht. Und das ist in der Regel immer ein Thema von Wollen. Es ist kein Können, es ist kein Dürfen, es ist ein Wollen Thema. Und an das Wollen Thema kommst du ganz schwierig ran. Dann kannst du irgendwann ja, pass mal auf, das ist schön. Du musst jetzt bitte das so machen. Und wenn du das nicht so machst, dann muss ich für dich einen anderen Einsatzzweck finden. Und wenn du damit nicht klar kommst, dann ist es für mich fein, wenn du gehst. Ich zwinge ja keinen bei uns zu arbeiten. Aber die Rahmenbedingungen sind nun mal einfach so und die setzen wir auch als Geschäftsführung einfach damit wir halt auch noch die nächsten 100 Jahre das tun können, was wir tun und nicht damit sich Einzelne quasi wohlfühlen und gebauchpinsel fühlen, wenn sie das nicht mitgehen wollen.

 

Joubin Rahimi

Ist ja auch nicht fair den anderen gegenüber.

 

Philipp Ehlert

Nein, sowieso nicht.

 

Joubin Rahimi

Wir haben Lageristen oder ich hatte Lageristen angesprochen im Sales Marketing oder Sales Team, Auftragsbearbeitung Inside Sales ist genau das Gleiche,

 

Philipp Ehlert

Ist genau das Gleiche. Ich glaube aber nein, es ist genau das Gleiche. Auch da haben wir Leute, die sagen, wenn wir solche neuen Dinge aufsetzen und mit denen sprechen, finde ich gut. Und wir haben welche, die sagen, mein Job und also nur mal, um das ganz klar zu sagen, wir machen das nicht, um Jobs abzubauen, sondern um Jobs anders auszurichten, auch tatsächlich irgendwie anforderungsgerechter zu machen, auch für die Person vernünftig zu gestalten, dass sie auch Spaß an der Arbeit haben können. Aber wenn jemand das nicht möchte, dann werde ich ihn nicht abholen und dann muss auch da jemand dann eben gehen können und dürfen und dann auch sollen. Aber da ist es dasselbe auf jeden Fall.

 

Joubin Rahimi

Wir haben über in Berlin einmal über Ausbilder gesprochen. Du bildest ja auch aus und bist auch im Gremium oder im Prüfungsgremium mal drin gewesen.

 

Philipp Ehlert

Ich bin quasi in einem Prüfungsausschuss. Wir nehmen das mündliche Fachgespräch als Abschlussprüfung zur Ausbildung von E Commerce Kaufleuten, das machen wir

 

Joubin Rahimi

und das finde ich mega spannend, weil du bist da quasi da bei den jungen Menschen dran. Wie nimmst du da das Ganze wahr? Sind die offen gegenüber Freunden, die sich darüber sagen, so ganz normal mache ich so oder so schon?

 

Philipp Ehlert

Ja, also grundsätzlich, es gibt natürlich eine unglaubliche Technologieoffenheit im Sinne von probiere ich mal aus. Was mir stark auffällt, ist so das übertragen in den geschäftlichen Kontext. Wir haben immer ganz viele Fachgespräche, die sind sehr auf ein bestimmtes Projekt natürlich fokussiert. Da fällt so ein bisschen der Rahmen, der Fokus, der Blick ist dann sehr eng auf ein Thema gerichtet. Wenn man dann aber mal auf die Metaebene geht und sagt, okay, warum machen wir das Ganze, wird das ziemlich schwierig, die da hinzubekommen zu sagen, das ist ja für das Unternehmen, für Umsatz, für Wachstum. Am Ende des Tages sind wir Wirtschaftsunternehmen und es muss sich rechnen, was wir tun und da ist so ein bisschen noch so, da fehlt so ein bisschen der Blick darauf, dass man das dafür macht. Die probieren unglaublich gerne aus, aber so auch ein bisschen ziellos, sage ich mal. Aber die haben am wenigsten Angst vor den Dingen. Das würde ich auf jeden Fall sagen. Und es gibt immer wieder überraschende Impulse, wo man sagt, ich sehe das so und so und ich würde das gerne so und so machen und ah cool, super, probieren wir aus. Gar nicht drüber nachgedacht, ist eine gute Idee.

 

Joubin Rahimi

Also im Endeffekt, ihr geht die Themen an. Du hast gesagt einfach machen und lieber klein starten.

 

Philipp Ehlert

Ja, kalter Kaffee, aber ja, kalter Kaffee,

 

Joubin Rahimi

also aber ich sag mal starten ist nicht so kalter Kaffee, ne?

 

Philipp Ehlert

Aber das Thema, wie heißt das so schön? Fail fast, learn fast oder wie auch es gibt ja Phrasen ohne Ende. Es ist ja schon seit Gefühl Jahren irgendwie auf der Agenda so mit diesem Agilitätsschwung kam das alles rein. Was ich aber feststelle ist, dass bei ganz vielen Unternehmen das Starten schon die erste Hürde ist, weil ich muss meinen Vorgesetzten abholen, der muss seinen Vorgesetzten abholen. Also dass die Entscheidungsketten einfach viel zu lang geworden sind und je größer das Unternehmen, desto länger diese Kette und dann wird da schon so viel zwischendrin rum theoretisiert, was alles nicht geht. Und was alles nicht funktionieren kann, dass am Ende das Starten gar nicht mehr stattfindet, weil es wird ja eh nichts. Und mein Ansatz ist ja, und das ist das Schöne, wenn man das selber entscheiden kann und sagen kann, hey, finde ich eine gute Idee, lass mal ausprobieren und dann probieren wir das einfach aus. Und dann kann man immer noch sagen zu einem Punkt, Scheiße bringt gar nichts, lass mal wieder aufhören.

 

Joubin Rahimi

So sind auch die Verträge mit uns.

 

Philipp Ehlert

Genau.

 

Joubin Rahimi

Also du sagst, okay, machen wir, machen wir nicht und wir haben dafür weniger Sicherheit, aber du hast maximale Freiheit.

 

Philipp Ehlert

Ja, aber ganz ehrlich, das Thema Sicherheit ja auch, aber auch, also nicht für euch, nicht für mich, aber mal grundsätzlich das Thema Sicherheit getroffen. Naja, was halt guten Punkt. Aber wir reden doch die ganze Zeit von unsicherem Umfeld. Wir haben vor 10 Jahren gesagt, boah, das Arbeitsumfeld VUCA und wie sollen wir Mitarbeiter holen und jetzt haben wir seit vier Jahren Krieg in der Ukraine bzw. Russland hat die Ukraine völkerrechtswidrig angegriffen. Unsichere Zeiten. Seit Anfang März bombt Trump in den Golfstaaten rum und meint, er wäre der King. Entschuldigung bitte. Also haben wir den Iran Konflikt. Unsichere Zeiten und alle sagen immer unsicher, unsicher, unsicher. Aber wenn wir jetzt über Business reden, will ich hundertprozentige Sicherheit? Wer glaubt denn da dran? Wenn noch eins sicher ist, dann ist es immer der Wandel und die Unsicherheit, die damit einhergeht. Es gibt keine Sicherheit. Ich gewinne nur Souveränität und Vertrauen, wenn ich Dinge tue, Erfahrungen sammel und daraus lerne und die Fehler beim nächsten Mal nicht mache. Das ist die einzige Sicherheit, die ich habe. Aber wenn ich immer nur darüber diskutiere, was alles schiefgehen kann, dann gewinne ich niemals Sicherheit. Dann bin ich immer nur certain, dass es sowieso nicht funktioniert.

 

Joubin Rahimi

Total geil.

 

Philipp Ehlert

Aber wenn alle immer sagen, es funktioniert sowieso nicht, dann komm bitte, dann Höhle, Feuer, nur Höhle, Feuer hätte ja keiner gesagt. Das könnte die ganze Höhle in Brand setzen. Das können wir nicht machen. Das ist mit den Kindern, Entschuldigung, aber das ist das, was ich meine. Du kannst nicht immer sagen, oder wir sind in unsicheren Zeiten sowieso politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich, daraus folgen, also gerade auch politisch, wirtschaftlich, ökologisch. Aber wenn ich was auch immer ausprobieren möchte für einen kleinen Batzen Geld dann brauche ich die hundertprozentige Sicherheit. Noch bescheuerter kann man sich eigentlich nicht verhalten.

 

Joubin Rahimi

Ich finde das mega. Ich freue mich richtig. Ja, weil das ist der unternehmerische Geist. Wie behältst du den auch im Unternehmen?

 

Philipp Ehlert

Ja, ungefähr so. Ganz ehrlich. Nein, weiß ich nicht. Aber ich war immer schon ungeduldig. Ich war immer schon kribbelig. Ich wollte immer schon Dinge machen. Und wenn ich eine Idee habe, möchte ich die bitte jetzt umgesetzt haben. Ich weiß, dass das nicht immer geht. Ich bin auch in den letzten zehn Jahren ruhiger geworden. Aber grundsätzlich hinsetzen, einen Plan machen, da will ich hin. Das ist meine Idee. Vielleicht holst du dir noch zwei, drei Leute, die Plan haben von dem, was sie tun, unterhältst dich mit denen und guckst, ist das der richtige Weg, ja oder nein? Wenn du dann zu dem Ergebnis kommst, ja, finde ich gut, will ich machen. Mach schnell

 

Joubin Rahimi

und du musst alles im Unternehmen über dich gehen?

 

Philipp Ehlert

wir haben ja eine klare Aufgabenteilung. Ich bin ja nicht alleiniger Geschäftsführer. Wir haben noch den Herrn Ortkraft bei uns. Der macht bei uns vor allen Dingen Einkauf und die Vertriebsthemen und mit dem tausche ich mich natürlich regelmäßig aus. Ich sag, ich habe da eine Idee. Oh Gott, geh doch weg. Also da ist schon immer die erste Challenge. Aber im Grunde genommen arbeiten wir relativ autark und informieren uns über das, was wir tun. Und wenn wir dann wirklich sagen, das finde ich aber kompletten Quatsch oder ich habe da schon mal die Erfahrung gemacht, dass das ein bisschen schwierig wird. Versuch doch mal lieber so, dass wir uns so ein bisschen gegenseitig quasi optimieren. Und dann habe ich immer noch meinen Vater mit im Unternehmen, den Senior, den ich natürlich auch immer noch bei denen oder anderen Entscheidungen mit überzeugen muss.

 

Joubin Rahimi

Und bei Mitarbeitenden, wie schaut es da aus? Also ist dieses Mindset bei euch beiden in der Geschäftsführung so oder

 

Philipp Ehlert

Es ist bei uns beiden so. Das ist auch bei den meisten Mitarbeitern. Wir sind gerade dabei so ein bisschen auch. Wir waren ja immer sehr flach organisiert. Also wir hatten die Geschäftsführung und dann hatten wir eigentlich alle anderen. Und wir haben jetzt an strategischen Positionen haben wir sozusagen noch eine Führungsebene eingebaut.

 

Joubin Rahimi

Ihr Seid ja kein 10 Mann Betrieb.

 

Philipp Ehlert

Wir haben im Moment 104 Leute im Lager in der Produktion. Wir haben Fahrer. Wir haben das ganze Büro. Und dann haben wir gesagt, weil man ja auch nicht so wirklich zu jedem, also nicht zu ganz vielen Menschen eine Bindung aufbauen kann. Also man spricht so von zehn, bei mir sind es wahrscheinlich eher fünf. Bin nicht so der People. Da brauchst du halt Leute, die das für dich tun und mit denen diskutieren wir das jetzt auch. Wir haben bei uns ein Team aus diesen jungen Leuten gebildet, das nennen wir ganz provokativ Innovationsteam. Aber das ist einfach nur das. Wir treffen uns einmal im Monat, da werden wichtige Themen dann aufgelistet über die vier Wochen, die so aufploppen. Dann besprechen wir das, sagen, das könnte eine Lösung, das könnte eine Lösung sein. Bitte kümmer dich drum. Nächstes Mal Lösung präsentieren, umsetzen. Danke. Dass man so ein bisschen in den Schwung kommt. Das ist schon ein bisschen, das dauert schon länger als noch vor 15 Jahren. Aber es ist halt einfach notwendig, um wirklich auch diesen Geist überall reinzutragen. Dazu brauchst du aber auch auf der anderen Seite natürlich die innere Einstellung dazu und die hat halt einfach nicht jeder, die braucht aber auch nicht jeder. Das erwarte ich nicht davon. Aber dass die wissen, wie wir ticken, das ist wichtig Und dass wir so ticken, wie wir ticken und das ist wichtig.

 

Joubin Rahimi

Ich mache was und hör mal wieder auf und das ist gut ist, dass man sagt, ich probiere es aus und das ist nicht Wankelmut, sondern das ist Mut.

 

Philipp Ehlert

Genau. Und das am Ende eben trotzdem, was dabei rumkommt. Und man lernt natürlich auch dadurch, dass das, was ich ganz wichtig finde, dass es halt auch eine Fehlerkultur tatsächlich gibt, dass auch der Chef darf Fehler machen und dann hat das auch Konsequenzen, aber eben nicht die, dass er dann am Ende des Tages den Kopf abgeschraubt kriegt, sondern eben, dass man was gelernt hat, dass man vielleicht ein bisschen irgendwo Geld reingesteckt hat, dass man nicht wiederbekommt, aber dass es trotzdem so ist, dass es weitergeht. Und das nimmt natürlich auch die Angst davor zu scheitern, auch im kleinen Kontext.

 

Joubin Rahimi

Und ich glaube, das ist ein super Schlusswort gerade das Ende, keine Sicherheit, die gibt es nicht. Machst dir was vor. Wagen. Es können ganz, ganz viele was von euch und von dir auch lernen. Vom Herzen, Philipp, wirklich. Danke dann danke. Schreibt gerne dazu, was ihr dazu denkt. Und Philipp ist aktiv auf LinkedIn.

 

Philipp Ehlert

Genau.

 

Joubin Rahimi

Könnt ihr bestimmt auch Philipp direkt fragen, wenn so der eine oder andere Idee da ist. Oder es ergeben sich bestimmte Sachen. Es haben sich ja auch schon über unsere Netzwerke Beziehungen ergeben.

 

Philipp Ehlert

Kommt auf mich zu über LinkedIn oder schreibt mir eine Mail oder ihr findet meine Kontaktdaten auch auf ehlert-shop.de unter Ansprechpartner. Also ich bin verfügbar, wenn irgendjemand was sagen möchte, anderer Meinung ist, andere Erfahrungen hat. Wir können uns gerne über alles austauschen.

 

Joubin Rahimi

Danke dir.

 

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Joubin Rahimi
Managing Partner synaigy GmbH

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